20 Jahre Fall der Mauer – Feierlichkeiten in Berlin.
Veronika Bellmann schrieb am 10. November 2009:

„Soviel Tropfen Regen – soviel Glück und Segen!“ heißt ein alter Hochzeitsspruch. Gestern regnete es in Berlin unaufhörlich, aber man hatte nicht das Gefühl, dass das die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Falls der Mauer sonderlich beeinflusste. Die vielen Menschen feierten nicht ausgelassen, aber dennoch glücklich und dankbar. Entgegen dem sonst in der Öffentlichkeit und den Medien vermittelten Eindruck, die Menschen, vor allem im Osten, könnten den Wert der Freiheit nicht erfassen, bewiesen sie gestern genau das Gegenteil. Dass der größte Teil der feiernden Bevölkerung jüngere Leute waren, die selbst wohl nicht oder nur sehr wenig die Drangsale des kalten Krieges, des Unrechtsstaates mit Mauer, Stacheldraht, Unfreiheit und Diktatur des Proletariats durch das SED-Regime erleben mussten, kann nur hoffnungsfroh stimmen. Der Wert einer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist inmitten unserer Gesellschaft angekommen und unsere Gesellschaft, unser Deutschland, ist in der Welt angekommen. Berührend war für mich deshalb auch sehr, dass es ebenso beeindruckende Veranstaltungen in Frankreich, Amerika, Großbritannien und anderswo auf der Welt gab, die sich mit den Deutschen über die wiedergewonnene Freiheit freuen. Die Welt zu Gast bei Freunden (in Deutschland) – Freunde (aus Deutschland) zu Gast in der Welt, das gilt nicht nur für große sportliche Ereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft.

Neudeutsch kann man die Festlichkeiten wohl als „Event“ bezeichnen. Und hier kommt für mich der einzige Wermutstropfen der gestrigen Veranstaltung.
Der „Eventcharakter“ war ein wenig zu vordergründig. Freilich als Mittel zur Anschauung ist eine gewisse Überhöhung des Unterhaltungswerts derartiger Ereignisse gerade für eine wirkungsvolle Ansprache des jungen Publikums geeignet. Dass aber das Ereignis „Mauerfall“ von der internationalen politischen Prominenz vereinnahmt wurde, war leicht unpassend. Die Vertreter von Frankreich, England, den USA und Russland leisteten erst ihren Beitrag, als es um die Deutsche Einheit ging, noch nicht beim Fall der Mauer. Das waren die Bürger der DDR, allen voran die Bürgerrechtler und politisch Verfolgten, mit der „Schützenhilfe von Glasnost und Pestroika“ durch Michael Gorbatschow. Er war gestern unter den Gästen. Die Bürgerrechtler spielten leider eine ganz und gar untergeordnete Rolle. Der Besuch der internationalen politischen Prominenz ist im nächsten Jahr zu 20 Jahre Wiedervereinigung auf alle Fälle passender als gestern zum Jahrestag des größten Beweises von Freiheitswillen, Zivilcourage und Friedensliebe, der je von deutschen Bürgern ausgegangen ist –dem Sturz der innerdeutschen Mauer.