Ärzteversorgung im Raum Mittelsachsen.

Zur Bekanntmachung des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen im Freistaat Sachsen bezüglich der Anordnung von Zulassungsbeschränkungen und insbesondere zur Feststellung von Über- und Unterversorgung erklärt die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann:

„Endlich wird dem demographischen Wandel bei der Feststellung der ärztlichen Versorgung Rechnung getragen. Die Berechnung des Ärztebedarfs erfolgt jetzt mit dem seit langem geforderten Demographiebezug. Allerdings verändert die Einführung des Demographiefaktors nur geringfügig das Bild der Ärzteversorgung im Raum Mittelsachsen. Im Bereich der Fachärzte ergibt sich lediglich bei den Hautärzten, Orthopäden, Augenärzten, Anästhesisten und fachärztlich tätigen Internisten ein Defizit von einer beziehungsweise zwei zu besetzenden Stellen. So wird für den Raum Döbeln eine Augenarztstelle und eine Facharztstelle Orthopädie zu besetzen sein. Im Planungsbereich Mittweida hingegen wird aufgrund der neuen Berechnungsmethode neben zwei Augenarztstellen und einer Anästhesistenstelle auch ein weiterer fachärztlich tätiger Internist benötigt. Ferner wird eine Hautarztstelle zu besetzen sein, wobei hier keine Anwendung des Demographiebezugs eine Rolle spielt. Freiberg wird hingegen zwei Augenarztstellen neu besetzen können.
Im Bereich der Hausärzte hat sich das Bild allerdings durch den Demographiefaktor stark verändert. Waren nach der früheren Berechnungsmethode weit weniger Stellen zu besetzen, sind es nunmehr 21 zusätzliche Stellen für den Planungsbereich Freiberg und Mittweida. Neben den sechs bereits vorgesehenen freien Stellen bei den Hausärzten sind insgesamt 27 freie Hausarztstellen neu zu besetzen.
Nicht berücksichtigt bleibt bei der Auflistung der Kassenärztlichen Vereinigung allerdings die Tatsache, dass in den nächsten Jahren altersbedingt weitere Fachärzte ausscheiden werden. Insofern wurde der demographische Wandel bei den Fach- und Hausärzten nicht ausreichend berücksichtigt. Dennoch ist es ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Nun müssen wir unsere Anstrengungen auf die Aspekte wie die Zugangsberechtigung zum Medizinstudium, die Ausbildung an sich und die Förderungen junger Ärzte konzentrieren. Schließlich ist durch die Ausschreibung neuer Stellen noch nicht garantiert, dass auch Ärzte gefunden werden, die diese Stellen auch tatsächlich besetzen.“

Hintergrund:
Grundlage zur Ermittlung der Bedarfsplanung war bislang die Arzt-Einwohner-Relation. Hierbei wurde die Einwohnerdichte in Bezug zur Fläche des Versorgungsgebietes gesetzt. Bereits am 15. Juli 2010 hat der Gemeinsame Bundesausschuss in Berlin die Berücksichtigung des demographischen Wandels beschlossen. Zur besseren Bedarfsplanung wird nunmehr unter anderem berücksichtigt, dass ältere Menschen (über 60 Jahre) im Regelfall häufiger ärztliche Versorgung in Anspruch nehmen müssen. Das vorrangige Ziel veralteten Arzt-Einwohner-Regelung von 1990 auf der Grundlage des Ist-Standes der alten Bundesländer war es, eine mögliche Überversorgung abzubauen. Dabei galten Bereiche ab 110 % als überversorgt, hingegen Gebiete ab 50 % (Fachärzte) bzw. 75 % (Hausärzte) als unterversorgt.
Berlin, den 31. März 2011
Veronika Bellmann (V.i.S.d.P.)