Diagnose-chronischer Ärztemangel.

BM Rößlers Therapie muss schnell greifen – Bundesländer sind jetzt am Zug, Sachsen muss vorangehen

Zum Vorstoß des Bundesgesundheitsministers Dr.Rößler, durch veränderte Kriterien den Zugang zum Medizinstudium zu erleichtern und damit dem Ärztemangel zu begegnen, erklärt die mittelsächsische Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU):

„Den Vorschlag des Bundesgesundheitsministers den Numerus Clausus als wichtigste Zugangskriterium zum Medizinstudium aufzuweichen, begrüße ich ausdrücklich. Schließlich sollten nicht nur gute Schulnoten die einzige Qualifizierung für angehende Ärzte sein. Denn auch heute schon wird eine gewisse Anzahl von Studienplätzen über das Losverfahren vergeben. Die Studenten, die auf diese Weise zum Arztberuf gekommen sind, haben bewiesen, dass sie trotz schlechterer Schulnoten nicht zwangsläufig die schlechteren Mediziner sind. Denn auch eine Vortätigkeit als Krankenpfleger oder desgleichen kann viel über die Eignung aussagen. Deshalb freut es mich besonders, dass Bundesminister Rößler gemeinsam mit der Bundesbildungsministerin auf die Länder zugehen will, denn die Studienbedingungen sind zu allererst Ländersache.

Hier ärgere ich mich allerdings schon seit geraumer Zeit über mein eigenes Bundesland. Während der Freistaat Sachsen im Hinblick auf Unterstützungsmöglichkeiten für Ärzte in unterversorgten Gebieten Vorbildliches leistet, beschränkte sich die Förderung in der Ausbildung auf weniger weitreichende Maßnahmen. Machte man dafür Vorschläge, so wurde man zu Zeiten der schwarz-roten Koalition in Sachsen zwischen Universitätsleitungen und Wissenschaftsministerium hin und hergeschickt. Leipzigs Rektor Prof. Dr. Häuser begründete gar, warum eine Reduzierung der Studienplätze für Mediziner notwendig sei. Die damalige Wissenschaftsministerin Dr. Stange, sagte sich von der Verantwortung für das Angebot einer ausreichenden Anzahl von Studienplätzen ganz los. Regionen, wie Mittelsachsen, blieben mit dem Problem des drohenden und in manchen Orten längst vorhandenen Ärztemangels allein.

Erleichterte Zugangskriterien sind kein Allheilmittel, aber eine Reform der Medizinerausbildung gehört zum Mosaik der Fördermaßnahmen zwingend dazu. Ich habe gerade in Freiberg, Gespräche mit mehreren Ärzten geführt, deren Kinder gern die elterliche Praxis übernommen hätten, die aber nicht mal eine Chance für ein Medizinstudium hatten. Die jungen Leute gingen uns als potentielle Ärzte verloren, die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist weiterhin gefährdet, nur weil niemand in den zuständigen Entscheidungsgremien die verkrusteten Strukturen aufbrechen wollte. Da erhoffe ich mir nunmehr auch in Sachsen durch die Rößler-Initiative einen Anstoß, endlich aktiv zu werden.

Hier war leider von Schwarz-Gelb noch nicht viel Aktivität zu spüren. Gleiches gilt für ein neues Bildungsdarlehen für Medizinstudenten, dass nicht zurück gezahlt werden muss, wenn sich die jungen Leute für eine gewisse Zeit nach Abschluss ihres Studiums verpflichten, in einer bestimmten medizinischen Einrichtung zu arbeiten. Daran arbeite ich mit dem Finanzministerium schon seit Juli 2009, die sichtbaren Fortschritte seitens des Freistaates, halten sich leider noch sehr in Grenzen.

Auch das ist nur eine Teiltherapie, aber sie kann die chronische Krankheit Ärztemangel wenigstens lindern helfen. Voraussetzung, die Therapie wird so schnell wie möglich begonnen.

Berlin, den 6. April 2010; Veronika Bellmann (V.i.S.d.P.)


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