Dass Mädchen nicht nur mit Puppen spielen, sondern diese gern auch Mal gegen die Autos ihrer Brüder eintauschen, ist ja keine Seltenheit. Geht es um die Berufswahl, sieht es jedoch anders aus: Auch wenn die Natur- und Technikwissenschaften schon lange keine reine „Männersache“ mehr sind, entscheiden sich Mädchen und junge Frauen nach wie vor eher zaghaft für eine Karriere in technischen Berufen. Zu groß sind die Bedenken, dass man den Anforderungen nicht gewachsen wäre.
Es ist an der Zeit, verzerrte Vorstellungen von „typisch männlichen“ oder „typisch weiblichen“ Berufen auszuräumen und Hemmschwellen vor allem gegenüber technischen Berufen abzubauen. Deutschland braucht exzellente Fachkräfte, um im weltweiten Innovationswettbewerb mithalten zu können. Den Luxus, freiwillig auf einen Teil des Fachkräftenachwuchses zu verzichten, können wir uns nicht leisten. Deutschland braucht mehr Ingenieure und Ingenieurinnen!
Durch ein gemeinsames Engagement von Schulen, Universitäten, Wirtschaft und Politik kann es gelingen, mehr Neugier und Leidenschaft für natur- und technikwissenschaftliche Berufe zu wecken. Am besten dürfte das gelingen, wenn man Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit gibt, Studienfächer oder Berufe selbst auszuprobieren und sie hautnah zu erfahren. So, wie beispielsweise am „Girls’ Day-Mädchen-Zukunftstag“.
Es ist das größte, im Jahre 2001 ins Leben gerufene Berufsorientierungsprojekt für Mädchen und junge Frauen. Technik- und Naturwissenschaftinteressierte Schülerinnen und die, die es noch werden wollen, bekommen an diesem Tag exklusiv die Chance, Ausbildungsberufe und Studiengänge in Technik, Informatik, Handwerk und Naturwissenschaft für sich zu entdecken. Jeden vierten Donnerstag im April heißt es in vielen Unternehmen, Forschungszentren und Hochschulen „Tür und Tor auf“ für alle Schülerinnen, die Spaß an Technik und Naturwissenschaft haben oder diese Fachgebiete einfach neu kennen lernen möchten.
Deutschland braucht mehr Ingenieurinnen. Aktionen wie der „Girls’ Day“ sind wichtig, die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen in technischen Berufen deutlich zu machen. Eine Unterstützung dieser Aktion wäre ganz im Sinne einer nachhaltigen Investition in den Innovationsstandort Deutschland.
Nähere Informationen zum „Girls’ Day“: www.girls-day.de.
Gleichzeitig fordere ich dazu auf, den Gleichbehandlungsgrundsatz sehr ernst zu nehmen und Frauen und Männer bei gleicher Beschäftigung auch den gleichen Lohn zu zahlen. Unternehmen dind dazu aufgerufen, Lohntests zu nutzen. Das Frauen bei gleicher Tätigkeit noch immer schlechter entlohnt werden als Männer, zeigt eine kürzlich veröffentlichte Eurobarometer-Umfrage: Demnach sind Europäer der Ansicht, dass der Abbau der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede neben der Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen von äußerster Wichtigkeit für die Beseitigung der Ungleichheit zwischen Männern und Frauen ist. EU-weit verdienen Frauen im Durchschnitt ca. 18% weniger als Männer, und in einigen Ländern wächst der Unterschied sogar an. Die Europäische Kommission möchte mit ihrer Informationskampagne und einer Reihe von Maßnahmen die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in den nächsten fünf Jahren erheblich verringern. Auch Deutschland muss seinen Beitrag dazu leisten. Oftmals liegt es an schlechten Erfahrungen, aber auch daran, dass Mädchen immer noch sehr zu klassischen Frauenberufen greifen und sich den Sprung in die Welt der technischen Berufe nicht zutrauen. Diese Hürde zu überwinden, dazu dient der „Girls’ Day“ in Freiberg – denn Mädchen können Technik!“