Hochschulentwicklungsplan mit mangelhafter Schwerpunktsetzung.

Der aktuelle Entwurf zum Hochschulentwicklungsplan sieht die Schließung der Außenstelle Roßwein der Hochschule Mittweida vor. Dazu erklärt die mittelsächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann:

„Nach monatelangen Schriftwechsel mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und etlichen Gesprächen gewinne ich immer mehr den Eindruck, dass es wohl keine einheitlichen Beurteilungsmaßstäbe für alle sächsischen Studienstandorte gibt. Während in Zeiten klammer Kassen allerorten Hochschulen dazu angehalten werden, in Form von Public-Privat-Partnerships (PPP) verstärkt mit der Wirtschaft zu kooperieren, um auf diese Weise zusätzliche Drittmittel zu akquirieren, werden die Bemühungen der Hochschule Mittweida am Studienstandort Roßwein argwöhnisch beäugt.

Mit seinem Studiencamp, basierend auf einem Drei-Säulen-Modell aus Studienvorbereitung, Weiterbildung und Immatrikulation von Auslandsstudenten, will sich die Hochschule nach dem Auslaufen der sozialen Studienrichtungen in Roßwein ein neues Standbein schaffen und dem allerorts beklagten Fachkräftemangel mit regionalen Bildungskapazitäten entgegenwirken. In Dresden stellt man nun diese Form der Zusammenarbeit in Frage, da man eine unzulässige Verschiebung der Relation zwischen allgemeiner staatlichen Ausbildungsverpflichtung und den wirtschaftlichen Risikoverflechtung durch die Einbindung privater Partner befürchtet. Diese Befürchtungen halte ich für stark überzogen. Ein 20%iger Anteil an Auslands- und Fernstudenten gefährdet den Fortbestand der Hochschule als eigenständige Fachhochschule nicht, vielmehr ermöglicht er neue Perspektiven und Chancen für den Erhalt der Außenstelle Roßwein.

Umso unverständlicher ist es, dass in den Jahren 2011 und 2012 der Leipziger Handelshochschule, einer Privat-Uni, jetzt erstmals jährlich mit einer Summe im „sechsstelligen Bereich“ unter die Arme gegriffen, zusätzlich bis 2015 vom Mietzins befreit und durch Streckung eines kapitalersetzenden Darlehens bis 2020 unterstützt wird. Offenbar ist hier die private Handelshochschule dem Freistaat „lieb und teuer“.

Gleichzeitig fließen, nach Aussage der Staatsministerin, 60% der eigentlich für die Verstetigung bzw. Ausweitung der Studienplätze zweckgebundenen Bundesmittel nun dem Gesamthaushalt zu, 40% kommen den Hochschulen direkt zu Gute. Damit setzt das Ministerium den geplanten Abbau von 300 Stellen aus und finanziert ihn so gegen. Eine Weiterreichung von Bundesmittel mit landeseigener (sächsischer) Kofinanzierung entsprechend dem, zwischen Bund und Ländern vereinbarten Hochschulpaktes, sieht anders aus.“

Berlin, den 9. Juni 2011
Veronika Bellmann (V.i.S.d.P.)


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